Schwalbenschwanz – Papilio machaon – (LINNAEUS,1758)
Der Schwalbenschwanz, war der Falter des Jahres 2006. Er gehört zu den Ritterfaltern, eine Familie, die nur wenige Mitglieder in Deutschland zählt. Zu den Ritterfaltern gehören der Apollo, der Segelfalter und gar der spektakulär aussehende Osterluzeifalter. Keinen dieser 3 Falter habe ich je zu Gesicht bekommen, denn sie sind allesamt sehr selten geworden und nur noch in wenigen Gebieten zu finden.
Nektarpflanzen des Falters
Einen 5-fast 9 cm großen Falter übersieht man auch nicht so leicht, deshalb dürften ihn schon viele gesehen haben. Seine auffällige gelb schwarze Zeichnung mit den Schwänzchen kann man im Mai und im August recht häufig bewundern. Der Rote Wiesenklee (Trifolium pratense) als Nektarpflanze scheint es ihm besonders angetan zuhaben die Kratzdistel, Kartäuser Nelke und den Schmetterlingsstrauch verschmäht er auch nicht.
Dank weniger Gifteinsatz haben sich die Bestände des Schwalbenschwanzes wieder leicht erholt und der Falter gilt nicht mehr als gefährdet, hoffen wir mal, dass sich das nicht wieder verschlechtert,

Vorkommen
Wenn man den Schwalbenschwanz fliegen sieht, schlägt jedem Schmetterlingsfreund das Herz höher, es ist schon etwas besonders ihn fliegen und segeln zu sehen. Seine Lebensdauer beträgt meist nicht mehr als 2-3 Wochen. In der Zeit legt er große Entfernungen zurück.
Gesichtet worden sind Falter schon in 2300m Höhe, umherstreifende Tiere, die neue Gebiete erkunden. Am häufigsten kann man ihn in Höhen zwischen 300 – 700 Metern beobachten.
Futterpflanzen der Raupen
Seinen Namen verdankt er übrigens einem gewissen Herrn Machaon, einem aus der griechischen Mythologie stammenden Heilkundigen. Vielleicht auch, weil sich die Raupen von äußerst gesunden Pflanzen ernähren, kann das zu dieser Namensgebung beigetragen haben, denn ihr Menü besteht aus Pastinake, Dill, der sogar im Topf auf einer sonnigen Terrasse gerne als Kinderstube angenommen wird und Möhre (Daucus carota), die lieben sie. Fenchel mögen die Raupen sehr, doch auch den Kümmel, die Bibernelle und sogar Maggikraut verschmähen sie nicht. Aus Bayern liegen sogar Daten über 25 Wirtspflanzen vor. Übrigens in einer alten Schrift von 1778 stand als Name – Der Fenchelvogel.

Die Fortpflanzung
Die Männchen kann man gut bei der sogenannte Gipfelbalz, dem Hill-Topping beobachten. Dort treffen sich die Männchen und unbefruchtete Weibchen und die Faltermänner halten regelrechte Turniere ab, nach dem Motto: „Wer ist der beste Flieger im Land“, um die Weibchen zu beeindrucken. Es finden regelrechte Luftvorführungen statt. Die Falter steigen, in einem wilden Knäuel so hoch, dass man sie mit den blossen Augen nicht mehr sehen kann, dann stürzen sie sich wieder hinunter, nur um sich, in einem wilden Tanz, wieder hoch in die Lüfte zu erheben. Ob sich die Falter dabei verletzen kann ich nicht sagen, doch habe ich schon ganz schön zerfledderte Falter gesehen, denen z.B. ein halber Oberflügel fehlte, doch das kann auch durch Regen, Sturm und Vögel, die sie gejagt haben, verursacht worden sein.

Das Weibchen legt nach der Begattung etwa 150 Eier so verteilt ab, dass nicht zu viele Raupen auf einer Pflanze heranwachsen. Deshalb richten sie auch so gut wie keinen spürbaren Schaden an und sollten nicht entfernt oder gar getötet werden.
Erste Generation
Etwa eine Woche nach der Eiablage schlüpfen die Raupen. Die jüngeren Raupen sind schwarz mit orangenen Punkten und einem weißen Fleck, ihr Aussehen täuscht somit Vogelkot vor. Nach der vierten Häutung sind sie grünlich, mit schwarzen Bändern, auf denen sich orangenen Punkte befinden. Werden die Raupen von Ameisen (zum Beispiel) bedroht, stülpen sie im Nacken eine Nackengabel aus, ein sogenanntes Osmaterium, das sieht aus, wie eine orangene Zunge und versprüht eine Flüssigkeit, die übel riecht und Fressfeinde, Parasiten und Schlupfwespen abschreckt. Die Raupen häuten sich fünfmal bis sie sich nach 20 -33 Tagen verpuppen. Um sich zu tarnen, kann die Puppe dem Untergrund angepasst grau oder grünlich sein, später wird sie grün, vor dem schlüpfen nach 12-24 Tage wird sie deutlich dunkler.
Die erste Generation schlüpft schon im Mai
Entwicklungszeit der 2ten Generation
Die gesamte Entwicklungszeit von Ei-Raupe-Puppe dauert zwischen 37-66 Tage, dann fliegt die 2. Generation des Schwalbenschwanzes Ende Juli bis Anfang August. Deren Puppen kann man dann im September finden. Wenn die Raupen im letzen Stadium mehr als 14,5 -16 Stunden Tageslicht genießen konnten, bilden sie sogar eine dritte Generation. Diese Falter schlüpfen dann noch im gleichen Jahr, doch haben sie weniger Tageslicht gesehen, überwintert die Puppe und die Falter schlüpfen dann erst wieder im folgenden Jahr im Mai.
Galerie










Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG)
Verwirrend ist die Ausnahmmeregelung des Bundes Naturschutzgesetz aus dem Jahre 1980, das die Entnahme, den Besitz und den Handel von Papilio machaon (Schwalbenschwanz) als streng geschützte Art unter Strafe stellt. Die Landwirtschaftsklausel erlaubt jedoch die Landwirtschaftliche und Forstwirtschaftliche Bodennutzung von Möhren, Fenchel und Dill auch wenn alle Eier, Raupen und Puppen bei der maschinellen Ernte getötet werden. Ein Widerspruch an sich, denn dabei werden gleich viel mehr dieser herrlichen Insekten getötet, als ob ein Kind sich eine Puppe mit nach Hause nimmt und die Metamorphose dieses Falters, mit Spannung verfolgt.
Noch ein Beispiel:
Wenn jemand Zuhause 5 Schwalbenschwanz Raupen pflegt, die Verpuppung und Metamorphose begleitet und nach dem Schlüpfen die Falter dann frei lässt, dann ist das eine Ordnungswidrigkeit. Übrigens „nicht Wissen“, schützt vor Strafe nicht, denn es gilt als fahrlässig und erfüllt den Tatbestand.
Wenn aber die industrielle Landwirtschaft hunderte von Eiern, Raupen und Puppen durch das Abernten vernichtet, greift die Ausnahmeregelung, die sogenannte Landwirtschaftsklausel und dann ist es keine Ordnungswidrigkeit mehr.
Für europarechtlich geschützte Arten gilt die Landwirtschaftsklausel nicht mehr und auch Landwirte und Forstwirte müssen sich an den Artenschutz halten. Da wundert es mich nicht mehr, dass man auf Europa von der landwirtschaftlichen – und forstwirtschaftlichen Seite schimpft, denn Auflagen, die dem Natur- und Wasserschutz dienen sind nicht gerade beliebt.
Im Falle von unserem Schwalbenschwanz, gilt das Zuchtverbot nur für Deutschland. In den restlichen 46 europäischen Staaten ist dieses Gesetz nicht von Kraft. Trotz fehlen dieses Gesetzes, hat man keine negativen Auswirkungen auf die Population feststellen können. Wenn man doch Schwalbenschwänze züchten möchte, kann man bei der Naturschutzbehörde eine Ausnahmegenehmigung beantragen.